Nahaufnahme einer Hornisse von vorne (Foto: Volker Fockenberg)

Hilfe, Hornisse!

Hornissen sind wenig aggressiv, eher scheu und nicht angriffslustig. Sofern man einen Abstand von ca. drei Metern um das Nest einhält und keine hektischen Bewegungen macht, stört man die Tiere nicht und kann das Treiben rund um das Nest wunderbar beobachten. Hornissenstiche sind übrigens äußerst selten und der Stich einer Hornisse ist auch nicht gefährlicher als der Stich einer Biene, Wespe oder Hummel. Menschen, die auf Wespenstiche allergisch reagieren, reagieren allerdings ebenso auf Hornissenstiche.

Im Gegensatz zur Gemeinen Wespe (Vespula vulgaris) oder Deutschen Wespe (Vespula germanica) werden Hornissen (Vespa carbro) auch am Kaffeetisch nicht lästig, denn sie machen sich nichts aus Süßspeisen. Ausgewachsene Tiere ernähren sich hauptsächlich von Baumsäften, im Spätsommer gehen sie auch gerne mal an Fallobst. Ihre Brut füttern sie mit verschiedenen Insekten, die sie im Flug erbeuten (z. B. Fliegen, Wespen, Heuschrecken, Bienen, Käfer), während sie entlang von Blüten patrouillieren. Ein großes Hornissennest benötigt pro Tag in etwa ein Pfund Nahrungsinsekten. 

Ein Hornissenvolk überwintert nicht

Je nach Witterung können Hornissenvölker bis Anfang November aktiv sein. Ab ca. Mitte August werden von den Arbeiterinnen eines Volkes die ersten Geschlechtstiere (junge Königinnen und männliche Drohnen) aufgezogen, die dann das Nest verlassen, um sich zu paaren. Nur die begatteten Jungköniginnen überleben. Alle anderen Hornissen eines Volkes sterben spätestens, sobald die ersten Fröste einsetzen, ein Volk besteht also nur ca. sechs Monate.

Die ausgeflogenen jungen Königinnen überwintern in einem geeigneten Quartier, so z. B. in Spalten toter Bäume oder hinter Baumrinde. Sie erwachen dann ab Mai des nächsten Jahres aus der Winterruhe und suchen sich ein geeignetes Plätzchen wie etwa eine regengeschützte Baumhöhle oder auch einen Vogelkasten, um ein neues Volk zu gründen. Erste Arbeiterinnen schlüpfen ca. Anfang Juni und legen immer mehr neue senkrecht hängende Waben an. Die Königin legt jeweils ein Ei in eine Wabenzelle, ein ausgewachsenes Volk kommt im Laufe des Sommers auf bis zu 1500 Wabenzellen. Die Arbeiterinnen und kümmern sich um die Fütterung der geschlüpften Larven sowie alle anderen Aufgaben des wachsenden Volkes. Das Dasein der Königin beschränkt sich nun komplett auf das Eierlegen. Vom Schlupf aus dem Ei bis zum Ausfliegen der erwachsenen Arbeiterin vergehen 30–50 Tage, ihre Lebenszeit beträgt in etwa 20 Tage. Mitte September hat ein Hornissenvolk dann seine maximale Größe erreicht, es leben durchschnittlich 200–300 Tiere im Nest. Gelegentlich kommt es auch vor, dass Hornissen umziehen, wenn der gewählte Hohlraum für ihr Nest zu eng wird.Was tun, wenn ein Hornissennest wirklich stört?

In der Regel sind Hornissen angenehme Nachbarn, die nicht stören. Manchmal kommt es aber doch vor, dass ein Nest an einer sehr ungünstigen Stelle angelegt wurde. Ist das der Fall, ist die Untere Naturschutzbehörde des jeweiligen Landkreises erster Ansprechpartner. Sie kann die Genehmigung zur Umsiedlung erteilen und auch einen erfahrenen Berater/Umsiedler vermitteln. 

Wie kann ich etwas für Hornissen tun?

  • Informieren Sie sich über die faszinierende Lebensweise von Hornissen und helfen Sie, mit Vorurteilen aufzuräumen.
  • Gestalten Sie Ihren Garten naturnah und verzichten Sie auf Pestizide. So bieten Sie eine Nahrungsgrundlage für viele Insekten und somit auch für Hornissen.
  • Der natürliche Lebensraum von Hornissen (naturnahe Mischwälder mit altem Baumbestand) wird immer seltener. Wenn Sie die Möglichkeit haben, dann bieten Sie den Tieren im Garten eine Nistmöglichkeit in Form eines „Hornissen-Nistkastens“ an. Dafür gibt es Bauanleitungen, es gibt aber auch fertige Nistkästen zu kaufen.
  • Falls Sie schon einen naturnahen Garten haben und ein Hornissenvolk aufnehmen möchten, dann melden Sie sich bei Ihrem örtlichen Berater/Umsiedler.

Für das Nest in unserem Stationsgarten genehmigte die Untere Naturschutzbehörde der Stadt Bottrop eine Umsiedlung, diese übernahm Volker Fockenberg. Er engagiert sich seit Jahrzehnten für den Schutz von Wildbienen, kümmert sich aber im nördlichen Ruhrgebiet auch um Hornissenvölker, die ein neues Zuhause suchen: www.wildbiene.com

Titelfoto: Die streng geschützte Europäische Hornisse gehört zur Familie der Faltwespen. Foto: Volker Fockenberg

Hornissen fressen sich durch Rolladenkasten

Eine Umsiedlung war hier dringend nötig: Die Hornissen hatten sich in der Wohnung bereits durch den Rolladenkasten des Badezimmers gefressen.

Foto: Volker Fockenberg

Hornissen im Rolladenkasten

Nach Öffnen des Rolladenkastens sind die Waben des Hornissennests gut zu sehen.

Foto: Volker Fockenberg

Hornissen in Transportbox

Die anfliegenden Hornissen wurden mit einem Spezialsauger eingefangen und in eine Transportbox mit Zuckerfutterteig gesetzt.

Alle Tiere wurden für den Transport leicht mit Kohlendioxid betäubt und das Nest mit Königin, Brut und Arbeiterinnen anschließend ebenfalls in eine Transportbox gesetzt.

Foto: Volker Fockenberg

Hornissen umgesetzt in Nistkasten

Am neuen Standort auf dem Gelände der Biostation wurde das Volk vorsichtig in den Umsiedlungskasten gesetzt und fixiert. Zur Energieversorgung der Hornissen dient eine Schale mit etwa 1 kg Zuckerfutterteig, dieser reicht für rund drei Wochen aus (auf dem Foto noch nicht sichtbar).

Foto: Annika Fockenberg

Hornissen fressen sich durch Rolladenkasten

Nachdem die Hornissen aus dem CO₂-Schlaf erwacht waren, mussten sie zunächst einen Papierverschluss durchnagen. Dieser verhindert, dass noch benommene Tiere unkontrolliert abfliegen und anschließend den neuen Nest-standort nicht mehr wiederfinden. Der Umsiedlungskasten wurde gut geschützt in ca. drei Metern Höhe in einer Eiche aufgehängt. Schon am nächsten Tag konnten wir regen Flugbetrieb beobachten und freuen uns, dass sich die Hornissen im Garten der Biologischen Station wohlfühlen.

Foto: Sabine Poppe